Offene Appelle

Im Sinne einer eindeutigen und beziehungsfördernden Kommunikation stellt der offene Appell, also der direkte Ausdruck von Wünschen und Aufforderungen, einen wesentlichen Bestandteil gelingender Kommunikation dar.

Trotzdem werden offene Appelle häufig vermieden. Das kann verschiedene Gründe haben.

Selbstoffenbarungsangst:
Wer Wünsche offen äußert, gibt dadurch auch seine inneren Bedürfnisse und/oder Schwächen preis. (z.B. Bitte um Hilfe bedeutet, dass man es alleine nicht schafft.

Angst vor Zurückweisung:
Bei einem offen geäußerten Wunsch besteht immer auch die Möglichkeit, dass der Empfänger „nein“ sagt.

Viele Menschen haben in ihrer Kindheit gelernt, dass es nicht erwünscht ist, Wünsche frei zu äußern.

Vermeidung von Verantwortung:
Eindeutige Appelle erfordern eine klare Stellungnahme.

Angst, der Wunsch könnte eine Zumutung für den Empfänger sein.

 

Notwendige Grundhaltungen

Mit sich selber klar sein
Offene Appelle setzen voraus, dass sich der Sender selber im Klaren darüber ist, was er will.

Appell mit Informationscharakter
Haltung des Senders: "Ich sage meinen Wunsch, damit du informiert bist. Ich sage ihn nicht, um ihn unbedingt durchzusetzen."

Verantwortung des Empfängers
Auf einen offenen Appell sind immer zwei Reaktionen möglich: „ja“ oder „nein“. Im Fall des „ja“ muss der Empfänger die volle Verantwortung für die Erfüllung des Wunsches übernehmen. Will er dies nicht, muss er den Mut zum klaren „nein“ finden.
Haltung des Senders: „Dein „nein“ enttäuscht mich zwar, aber trotzdem schätze ich deine Ehrlichkeit und achte deinen Standpunkt.“
Haltung des Empfängers: „Ich will zwar deinem Wunsch nicht nachkommen, aber ich finde es in Ordnung, dass du deine Wünsche sagst.“

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl