Verdeckte Appelle

Es leuchtet ein, dass das Verhalten eines anderen durch Worte (Wünsche, Aufforderungen, Empfehlungen) beeinflusst werden kann. Aber eine Beeinflussung kann auch (meist unbewusst) dadurch zu Stande kommen, dass der Sender beim Empfänger durch die Art und Weise, wie er sich verhält, ein ganz bestimmtes emotionales Klima erzeugt, das ihn bereit macht, von sich aus wunschgemäß zu reagieren.
Beispiel: Jemand weint. Der Empfänger interpretiert das Weinen als Ausdruck von Traurigkeit (Selbstoffenbarung). Er reagiert mit Betroffenheit und Mitleid, hat das Bedürfnis, den Weinenden zu trösten und Belastungen von ihm fernzuhalten. Vielleicht aber hatte das Weinen genau den Zweck, diese Reaktionen hervor zu rufen. Dem Weinenden selbst ist das nicht bewusst. Wahrscheinlich ist es eine Strategie, die ihm in seiner Kindheit geholfen hat, mit belastenden Situationen fertig zu werden.

Viele psychische Symptome und Verhaltensauffälligkeiten lassen sich durch diese Sichtweise erklären und verstehen. Durch die appellgemäßen Reaktionen der Umwelt werden sie immer wieder positiv verstärkt und dadurch aufrechterhalten. Beispiele hierfür sind: Angstzustände, depressives oder zwanghaftes Verhalten, übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Kritik, demonstrative Hilflosigkeit und Schwäche, kindliche Verhaltensstörungen u.v.m. Obwohl der Betreffende meist selbst unter diesen Verhaltensweisen leidet, überwiegen für ihn anscheinend doch die Vorteile, die er durch diese verdeckten Appelle erzielt.

 

Vorteile verdeckterAppelle für den Sender

  • Verdeckte Appelle sind häufig erfolgreicher als offen geäußerte Wünsche, da sie den Empfänger in eine emotionale Stimmung versetzen, die ihn bereiter macht, die gewünschte Reaktion zu zeigen. Äußert man einen Wunsch direkt, besteht immer auch die Gefahr, dass er abgelehnt und nicht erfüllt wird.
  • Der Sender muss für den verdeckten Appell nicht die Verantwortung übernehmen. Er kann hinterher immer behaupten, dass er das ja gar nicht beabsichtigt hatte.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl