Warum sind viele Appelle erfolglos?

Es ist nachvollziehbar, dass Appelle ohne Wirkung bleiben, wenn der Empfänger zu etwas veranlasst werden soll, was nicht in seinem Interesse liegt. Aber oft bleiben auch gerade „gut gemeinte“ Appelle wirkungslos oder rufen sogar Widerstand hervor. Wie kommt das?

Nachrichten haben ja immer vier Seiten. Wenn mit dem Appell eine umstrittene Beziehungsbotschaft mitgesendet wird, richtet sich der Widerstand nicht selten gegen den Appell. (z.B. „Zieh dir eine Jacke an. Es ist kalt draußen.“)

Ratschläge: Wenn jemand sich auf Grund gefühlsmäßiger Probleme ungünstig verhält, nützen keine guten Ratschläge, z.B. „Sei nicht so eifersüchtig.“ Du musst versuchen, selbstbewusster aufzutreten.“ Im Gegenteil, solche Appelle verstärken oft noch das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit und führen eher zu Entmutigung.

Menschen haben den grundlegenden Wunsch, sich als Urheber der eigenen Handlungen zu erleben. Ein Appell verhindert, wenn er befolgt wird, dieses Urhebererlebnis.

Appelle machen spontanes Handeln unmöglich („Sei-spontan-Paradox“). Das gilt vor allen Dingen für Bedürfnisse und Gefühle. Diese sind ihrem Wesen nach spontane Zustände und können deshalb nicht eingefordert werden. (z.B. „Du sollst mich lieben.“)

Appelle sind auch dann wirkungslos, wenn sie in Widerspruch zu bestimmten Verhaltensweisen oder Überzeugungen des Empfängers stehen. (kognitive Dissonanz)

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl