Wie werden Beziehungen erfasst?

Eine Beziehung kann danach beurteilt werden, wie hoch einerseits der Grad der Wertschätzung und andererseits das Ausmaß der Bevormundung des anderen ist.

Wertschätzung
Wertschätzung des Gesprächspartners ist die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation und befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen. Wertschätzung bringt der Sender dadurch zum Ausdruck, dass er den Empfänger als achtenswerte, vollwertige und gleichberechtigte Person ansieht. Dazu gehören Höflichkeit und Takt, freundliche Ermunterung und Reversibilität (= Umkehrbarkeit) im Sprachverhalten, d.h. der Sender spricht mit dem Empfänger in einer Art und Weise, wie dieser auch mit dem Sender sprechen kann, ohne die Beziehung zu gefährden. Wertschätzung bedeutet aber nicht gleichbleibende Freundlichkeit und „in Watte packen“, sondern eine respektierende Art dem Empfänger gegenüber gerade auch bei Konflikten und Auseinandersetzungen.
Mangelnde Wertschätzung kommt dadurch zum Ausdruck, dass der Sender den Empfänger als minderwertige Person behandelt. Dazu gehören herabsetzendes und demütigendes Verhalten, den Empfänger nicht ernst nehmen, lächerlich machen oder beschämen. Kennzeichnend dafür ist (v.a. bei Machtgefälle) die Irreversibilität, d.h. der Sender spricht mit dem Empfänger in einer Weise, die sich dieser dem Sender gegenüber nie erlauben dürfte.

Bevormundung
Der Sender zielt darauf ab, den Empfänger in seinem Denken und Handeln weitgehend unter seinen Einfluss zu bringen, z.B. durch Anweisungen, Vorschriften Verbote. Geringe Lenkung und Bevormundung zeigt sich dadurch, dass dem Empfänger eigene Entscheidungen und Aktivitäten zugestanden werden.
Ein hohes Ausmaß an Lenkung und Bevormundung löst beim Empfänger meist einen starken inneren Widerstand aus und hindert ihn an der Entwicklung von Selbständigkeit.

Am ungüstigsten wirkt sich auf die Kommunikation aus, wenn mangelnde Wertschätzung mit hoher Bevormundung einhergeht (autoritärer Stil).

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl