Das Bild vom anderen

Auf der Beziehungsseite der Nachricht kommt zum Ausdruck, was der Sender vom Empfänger hält, d.h. was für ein Bild er sich vom Empfänger macht. Für dieses Bild ist der Sender zum Teil selbst verantwortlich durch die Art und Weise, wie er sich dem Empfänger gegenüber präsentiert. Problematisch wird die Kommunikation dann, wenn der Sender den Empfänger anders wahrnimmt als dieser sich selbst. Für diese Diskrepanz sind vor allem zwei psychische Mechanismen verantwortlich: Projektion und Übertragung.

 

Projektion

Verhaltensweisen, Gefühle oder Impulse, die man sich selbst nicht eingesteht, weil sie nicht zum eigenen Selbstbild passen, werden beim anderen verstärkt und übersensibel wahrgenommen und vehement bekämpft. Anders ausgedrückt: Jeder Mensch hat seinen „Schatten“ und diesen bekämpft er am ehesten beim anderen.

 

Übertragung

Eine Person erinnert einen aufgrund der äußeren Erscheinung oder bestimmter Verhaltensweisen oder Eigenschaften an eine wichtige Person aus der Kindheit. War die Beziehung zu dieser Person problematisch (z.B. strenger Vater, ablehnende Mutter), überträgt man automatisch die damit zusammenhängenden Gefühle auf die „neue“ Person.
Sowohl Sender als auch Empfänger sollten sich dieser Übertragungsphänomene bewusst sein. Der Sender sollte sich darüber klar werden, an wen ihn die aktuelle Person erinnert und sich dadurch vor vorschnellen Schlüssen über diese Person hüten.
Der Empfänger sollte sich darüber klar sein, dass nicht jedes negative Gefühl, das ihm entgegengebracht wird, ihm persönlich gilt, sondern möglicherweise eine Übertragung darstellt. Um sich davor zu schützen, hilft besonders eine klare Selbstoffenbarung. Je mehr der andere von mir weiß, umso eher kann er mich als eigenständige, als „andere“ Person wahrnehmen.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl