Empfangsfehler: Phantasien

Wie der Empfänger eine Nachricht auffasst, mit welchem Ohr er hört und wie seine innere Reaktion darauf aussieht, liegt allein in seiner Verantwortung. Manchmal reagiert der Empfänger auf verborgene Schlüsselreize, die der Sender in seiner Nachricht gar nicht vermutet hätte oder auf die er den Schwerpunkt seiner Nachricht gar nicht hat legen wollen.

Die innere Reaktion des Empfängers baut sich aus drei Vorgängen auf:

 

Wahrnehmen - Interpretieren - Fühlen

Wahrnehmen:   Etwas sehen oder hören  z.B. einen Blick 
Interpretieren:   Das Wahrgenommene wird mit einer Bedeutung versehen. Diese Interpretation kann richtig oder falsch sein.   z.B. den Blick als „abfällig“ deuten  
Fühlen:   Das Wahrgenommene und Interpretierte löst im Empfänger ein Gefühl aus. Dieses Gefühl ist Tatsache, hängt aber sehr stark von der „psychischen Beschaffenheit“ des Empfängers ab.  z.B. Wut wegen des „abfälligen“ Blicks 

 

Oft werden diese drei Vorgänge miteinander verschmolzen. Es ist jedoch wichtig, diese inneren Vorgänge zu sortieren, damit der Empfänger sich darüber klar wird, dass seine Reaktion immer seine Reaktion ist. Und diese Reaktion gilt es zu überprüfen, d.h. zu bestätigen oder zu korrigieren.

Wir reagieren oft gar nicht auf Menschen, wie sie sind, sondern auf die Phantasien, die wir uns von ihnen machen. So gesehen verhalten wir uns wie Hellseher, die zu wissen glauben, was der andere denkt, fühlt und beabsichtigt. Solche Phantasien lassen sich nicht ausschalten. Wichtig für die Kommunikation ist jedoch der richtige Umgang mit ihnen.

 

Folgendes gilt:

  • Phantasien über den anderen sind etwas von mir.
  • Sie können zutreffend oder unzutreffend sein.
  • Deshalb muss ich sie auf Realität prüfen, d.h. dem anderen Rückmeldung geben, was ich vermute.
  • Ob meine Phantasien zutreffen oder nicht, kann nur der andere entscheiden.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl