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Interaktion

Das gemeinsame Spiel von Sender und Empfänger

Kommunikation ist ja nicht damit beendet, dass der eine etwas von sich gibt und beim anderen etwas ankommt. Indem der Empfänger reagiert, wird er zum Sender und beide nehmen aufeinander Einfluss. Es entsteht ein Gespräch und damit wechselseitige Interaktion.

Nach der alltäglichen Sichtweise wird das Verhalten eines Menschen von seinen individuellen Eigenschaften bestimmt. Diese gelten als teilweise angeboren oder als Resultat früherer Erfahrungen.
Beispiel: Elisabeth ist so hilflos und abhängig, weil sie einen sehr autoritären Vater hatte, der sie unterdrückte und nicht erwachsen werden ließ.

Die Kommunikationspsychologie geht weiter. Sie erklärt persönliche Eigenarten als Ausdruck der derzeitigen kommunikativen Verhältnisse. Kommunikation ist ein Wechselspiel zwischen mindestens zwei Beteiligten. Individuelle Verhaltensweisen und Eigenarten sind damit auch interaktionsbedingt.
Beispiel: Horst ist ein Dauerredner, aber nur deshalb, weil es immer jemanden gibt, der ihm schweigend und geduldig zuhört.

Diese Sichtweise hat den Vorteil, dass wir im anderen nicht nur den „schwierigen Mitmenschen“ sehen, sondern nun in der Lage sind, eine schwierige Beziehung zu sehen und nach dem Eigenanteil zu suchen. Für manche ist diese Sichtweise unbequem, da nicht mehr dem anderen die Schuld (böse, krank, gestört) zugewiesen werden kann, sondern die eigene Mit-„Schuld“ in den Blick genommen werden muss. Andererseits besteht dadurch aber auch die Chance, dass man dem „schwierigen anderen“ nicht mehr nur ausgeliefert ist, sondern mehr Macht über den Interaktionsprozess und damit die Beziehung gewinnt.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl