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Mit 4 Ohren Empfangen

So wie der Sender mit einer Nachricht gleichsam vier Botschaften versendet, hat der Empfänger auch vier Ohren, mit denen er die Nachricht aufnimmt. Nun kommt es aber darauf an, welches Ohr bei ihm gerade auf Empfang steht. Seine Reaktion bestimmt darüber, welchen weiteren Verlauf das Gespräch nimmt.

 

Mit vier Zungen reden - mit vier Ohren empfangen 

 

  • Sach-Ohr: Was sagt er mir? Kann ich das verstehen?
  • Selbstoffenbarungs-Ohr: Was ist das für einer? Was ist im Augenblick mit ihm los?
  • Beziehungs-Ohr: Wie steht der zu mir? Was hält er von mir? Wie fühle ich mich behandelt?
  • Appell-Ohr: Wo will er mich hin haben? Was soll ich tun?

 

Der Empfänger hat prinzipiell die freie Auswahl, auf welche Seite der Nachricht er reagieren will. Dies führt zu Problemen, wenn der Empfänger auf eine Seite reagiert, auf die der Sender eigentlich nicht so viel Gewicht legen wollte. (Beispiel: Situation im Auto). Oder auch, wenn der Empfänger überwiegend mit einem Ohr hört, also einseitige Empfangsgewohnheiten hat.


Hört der Empfänger überwiegend mit dem Sach-Ohr, wird es verhängnisvoll, wenn das eigentliche Problem im zwischenmenschlichen Bereich liegt.

Beispiel:
Frau zum Mann: „Liebst du mich eigentlich noch?“
Mann: „Da müssten wir erst mal den Begriff Liebe definieren…“

Häufig entstehen Situationen, in denen beide Gesprächspartner ein Beziehungsproblem auf der Sachebene ausfechten, wenn es z.B. nicht mehr um die Sache selbst geht, sondern darum, wer von beiden recht behält.


Manche Empfänger hören vorwiegend mit dem Beziehungs-Ohr. Sie beziehen alles auf sich, nehmen alles persönlich, fühlen sich angegriffen und beleidigt. Sie weichen einer Sachauseinandersetzung aus, indem sie auf die Beziehungsseite heruntersteigen.

Beispiel:
Mann zur Frau am Mittagstisch: “Womit hast du die Soße gewürzt?
Frau: „Wenn dir mein Essen nicht passt, kannst du ja im Gasthaus essen.“


Das Selbstoffenbarungs-Ohr hört die Nachricht unter dem Aspekt: „Was sagt sie mir über dich?“

Beispiel:
Mutter zur Tochter: „Was ist das für ein Saustall in deinem Zimmer!“
Tochter: „Was regst du dich so auf. Hast wohl heute einen schlechten Tag gehabt.“



Manche Empfänger hören dauernd mit dem Appell-Ohr, weil sie es immer allen recht machen und auch unausgesprochenen Erwartungen der Mitmenschen entsprechen wollen.

Beispiel:
Gast: „Ist noch Kaffee in der Kanne?“
Gastgeberin: „Ich koche sofort noch welchen.“



Ziel gelingender Kommunikation ist ausgewogene „Vierohrigkeit“.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl