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Sachseite

Sachlichkeit

Sachlichkeit ist erreicht, wenn die Verständigung auf der Sachebene weiterkommt, ohne dass der Sachinhalt von Begleitbotschaften auf den anderen drei Seiten gestört wird. Häufig jedoch wird der Meinungsgegner als Feind und lästiges Übel erlebt und entsprechend behandelt.

Sachlichkeit entsteht aus der Grundhaltung:
Du bist anders als ich, ich bin anders als du – wenn wir einander zuhören und den Standpunkt des anderen akzeptieren, kann dadurch etwas Neues entstehen, was jeder für sich nicht zustande gebracht hätte.

Häufig hört man in Sachdiskussionen den Appell: „Wir wollen doch sachlich bleiben!“. Das mag vielleicht kurzfristig von Nutzen sein, aber für eine langfristige Kooperation ist es wenig fruchtbar, menschliche Gefühle außer Acht zu lassen. Eine engagierte, kreative Sachlichkeit braucht positive menschliche Beziehungen. Zum anderen lassen sich störende Impulse gar nicht aus der Welt schaffen, denn sie sind Teil der Realität und wirken aus dem Untergrund, auch wenn sie offiziell verboten sind.

 

Störungen haben Vorrang

Störungen fragen nicht nach Erlaubnis, sie sind einfach da. Unausgesprochen und unterdrückt bestimmen sie die Vorgänge in Klassenzimmern, Büros und Konferenzräumen ebenso wie in der alltäglichen sachlichen Kommunikation. Die heimliche Dauerüberfrachtung der Sachseite mit unbearbeiteten Anteilen aus dem Bereich der Selbstoffenbarung und Beziehung kosten langfristig viel Zeit und Energie. Deshalb erweist es sich als erfolgversprechender, persönliche Probleme vorrangig aufzuarbeiten, um dann zu einer wirklich sachlich effektiven Auseinandersetzung übergehen zu können.

 

Getrenntheit von Sach- und Beziehungsebene

Im täglichen Leben ist es aber leider oft so, dass Sach- und Beziehungsebene auseinandergerissen sind. In der Arbeitswelt dominieren die Sachzwänge ohne Rücksicht auf die Persönlichkeitsentfaltung des Einzelnen und die Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen. Umso stärker ist der Wunsch, diesen Mangel an Geborgenheit, Lebensfreude und zwischenmenschlicher Auseinandersetzung im Privatleben auszugleichen. Dort hingegen fehlt häufig eine gemeinsame Sache, ein gemeinsames Lebensthema, was trotz der gelebten Intimität als Defizit und Getrenntheit erlebt wird.

 

Offizielles und eigentliches Thema

Wir können in einem Gespräch nur ganz bei der Sache sein, wenn die gesamte innere Energie dem Thema zur Verfügung steht. Anders ist es, wenn über ein Thema gesprochen wird, das sich zwar aus der Logik der Situation ergibt, das „eigentliche“ Thema, das den Gesprächspartnern am Herzen liegt, aber nicht angesprochen wird.

 

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